Proktologie Professor Dr. Prohm, FASCRS
 


Verstopfung

Wer sich die Werbung im TV genau anschaut, wird festgestellt haben, dass in jüngster Zeit vermehrt Werbung in Sachen „Darm“ auf dem Bildschirm erscheint. Es werden nicht nur Abführmittel beworben, sondern auch sogenannte Probiotika, das sind Nahrungsmittel mit Bakterienzusätzen, die die Darmtätigkeit unterstützen sollen.  Verstopfung scheint also ein großes Problem zu sein. Hierzu sollte man wissen, dass der Stuhlgang nicht regelhaft jeden Tag erfolgen muss, sondern daß von 2-mal am Tag bis 2-mal pro Woche alles normal sein kann. Die Angst, man könne sich vergiften, wenn man einen Tag keinen Stuhlgang hatte, ist also völlig unbegründet und stammt von mittelalterlichen Vorstellungen her. Der „horror autotoxicus“, die Angst sich zu vergiften, rührt von der Annahme her, im Stuhlgang würden sich giftige Schlacken befinden, die das Wohlbefinden und sogar das Leben selbst beeinträchtigen würden. Auch Medikamente können eine Verstopfung verursachen, ebenso eine falsche Ernährungsweise und eine verminderte Flüssigkeitszufuhr. Abgrenzen hiervon muss man die richtige Verstopfung, die 2 Ursachen haben kann: 1. Eine Störung der Nervenarchitektur innerhalb der Darmwand, die einen regelhaften Transport des Stuhls verhindert oder 2. Eine Auslassstörung im letzten Ende des Darmes, die eine ordnungsgemäße Entleerung verhindert. Die Diagnostik zu 1. ist relativ einfach: man gibt dem Patienten eine Kapsel, die mit röntgendichten Markern versetzt ist und macht nach 5 Tagen ein Röntgenbild. Sind die Marker im gesamten Darm sichtbar (sie sehen aus wie Schrotkörner) liegt eine Transportstörung vor, liegen sie nahe des Ausgangs (After), haben wir es mit einer Auslassstörung zu tun.


Sind sie gar nicht mehr nachweisbar und sind sie auf natürlichem Wege ausgeschieden worden, heißt das, der Darm funktioniert normal. Hier reicht in der Regel eine vernünftige Aufklärung über ausreichende Flüssigkeitszufuhr und schlackenreiche Kost aus um den Patienten zu „heilen“. Liegt eine Nervenstörung des Darmes vor können konservative Maßnahmen hilfreich sein. Dies stellt eine der wenigen Indikationen dar, wo Abführmittel sinnvoll sein können. Ist dies nutzlos, sollte bei entsprechendem Leidensdruck ein Grossteil des Dickdarmes entfernt werden um den verzögerten Transport des Stuhls zu beseitigen. Bei einer Auslassstörung liegt in der Regel ein mechanisches Hindernis vor, z. Bsp. ein innerer Mastdarmvorfall oder ausgeprägte Hämorrhoiden, hier sollte ein Proktologe zur weiteren Abklärung und Diagnosesicherung aufgesucht werden. Die definitive Therapie erfolgt dann in der Regel chirurgisch um das mechanische Hindernis zu beseitigen.