Proktologie Professor Dr. Prohm, FASCRS
 


Marisquen

Marisquen werden sehr häufig mit Hämorrhoiden verwechselt. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die Tatsache, dass sie sich nicht füllen, wenn man den Patienten pressen lässt. Bei äußerer Betrachtung stellen Sie Hautfalten dar, die um den Analkanal herum auftreten. Die Hautlappen sind Überbleibsel von entzündlichen Vorgängen, die sich zurückgebildet haben. Als Entzündungen kommen am häufigsten die Perianalvenenthrombosen infrage. Hierbei löst sich der innerhalb des äußeren Knotens vorhandene Thrombus langsam auf und die äußere Hülle, der Hautsack, bleibt zurück. Der bindegewebige Umbau weist häufig Ähnlichkeit mit gestielten, polypenartigen Fibromen, auf. Bei chronischem Verlauf können die Marisquen zu respektablen Auswüchsen um den After herum anwachsen, so dass nicht nur der Stuhlgang erheblich eingeschränkt wird, sondern auch Probleme bei der täglichen Analhygiene auftreten können. Die zerklüftete Hautoberfläche ist natürlich ein ideales Nährmedium für die Bakterien, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. In diesen Nischen können sie sich rasch vermehren und lokal teilweise massive Entzündungen verursachen, der Gang zum Arzt ist dann eine absolute Notwendigkeit.


Sekundärentzündungen wie Ekzeme, aber auch Pilzerkrankungen treten dann auf. Da sie aber normalerweise keine Beschwerden verursachen, kommen die Patienten in diesem Fall relativ spät zum Arzt. Häufig spielen auch kosmetische Gesichtspunkte eine Rolle. Ausgedehnte chirurgische Maßnahmen können durch Narbenbildungen und anschließender Schrumpfung Verengungen im Analbereich hervorrufen, so dass der Stuhlgang mechanisch ebenfalls erheblich eingeschränkt wird. Die Diagnose wird durch sorgfältige Inspektion des Analbereiches gestellt. Wichtig ist es, den Patienten über die Harmlosigkeit der Knotenbildungen aufzuklären und dass eine Behandlung nicht unbedingt erforderlich ist, eine ausreichende Analhygiene ist jedoch zu empfehlen. Kleinere Marisquengebilde können ambulant in lokaler Betäubung entfernt werden, größere Komplexe werden in ausreichender Analgesie oder gar Narkose abgetragen. Sind die Marisquen abgetragen, müssen Sie unbedingt feingeweblich untersucht werden. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gelehrt, dass gelegentlich ein bösartiger Tumor (Analkarzinom) innerhalb der Marisquen festgestellt wird. Meistens ist dies ein harmloser Hautkrebs im Frühstadium so dass mit der chirurgischen Entfernung einer Heilung erzielt werden kann. Allerdings sind engmaschige Kontrollen unbedingt erforderlich um ein Wiederauftreten des Tumors im Frühstadium erfassen zu können.