Proktologie Professor Dr. Prohm, FASCRS
 


Feigwarzen

Feigwarzen tauchen in jüngster Zeit immer häufiger auf. Auch aus eigener chirurgischer Erfahrung ist bekannt, dass Feigwarzen oder auch Condylomata acuminata, früher relativ selten waren und, wenn sie vorkamen, nur bei Risikogruppen wie Homosexuellen. In jüngster Zeit haben diese Erkrankungen sehr zugenommen, auch heterosexuelle Patienten, insbesondere Frauen, klagen immer häufiger über das Auftreten von Condylomata acuminata. Die Condylomata acuminata zählen zu den sexuell übertragbaren Krankheiten und werden durch Viren insbesondere HPV 6 und HPV 11 hervorgerufen. Neben den klassischen Feigwarzen kommen auch außergewöhnliche Formen vor, so zum Beispiel der so genannte Buschke Löwenstein Tumor, der den gesamten Analbereich befallen kann. Warum kommt es nun zu einem bevorzugten Befall der Analregion? Dies kann durch mehrere Faktoren begünstigt werden: hierzu zählt der Diabetes, begleitende Pilzinfektionen, ein besonders feuchtes Milieu und natürlich auch eine erworbene Immunschwäche. Bedingt durch die Bevorzugung feuchter Gegenden findet man die Condylomata acuminata neben der besonderen Häufung in der Analregion aber auch im Genitalbereich. Bei proktologischen Patienten muss immer der Analkanal inspiziert werden ob die Condylomata acuminata sich auch nach intraanal ausgebreitet haben. Häufig werden diese intraanalen bzw. intrarektalen (innerhalb des Mastdarmes) Condylomata acuminata vergessen so dass das Wiederauftreten der Feigwarzen vorprogrammiert ist. Die Beschwerde Symptomatik ist fast klassisch: sehr häufig führt ein heftiger Juckreiz die Patienten zum Arzt, häufig werden sie auch als Hämorrhoiden fehl gedeutet. Dies erfolgt nicht nur durch die Patienten selbst, die zuallerletzt an eine Infektion denken, sondern auch durch den Arzt oder Heilpraktiker, die sich in proktologischen Krankheitsbildern nicht auskennen.


Nicht selten führen auch mechanische Alterationen und daraus folgend heftige Blutungen den Patienten zum Proktologen. Werden die Feigwarzen nicht adäquat behandelt können Sie sich zu tumorartigen breitflächigen riesengroßen Condylomata acuminata ausbilden. Feingeweblich, die Warzen werden nach der Entfernung unter dem Mikroskop durch den Pathologen untersucht, erscheint das Bild eines gutartigen Tumors. Aber auch Übergänge in bösartige Hautkrebszellen sind im eigenen Krankengut vorgekommen. Die Behandlung besteht im Frühstadium durch Auftupfen von Virus-hemmenden Lösungen (Podophyllotoxin, z.B. Condylox ), im Spätstadium und weit fortgeschrittenen Fällen hilft nur die chirurgische Abtragung. Wichtig hierbei ist eine engmaschige Kontrolle, da das Wiederauftreten der Feigwarzen in sehr vielen Fällen vorkommt. Ist dies der Fall, kann mit einem elektrischen Messer unter Lokalbetäubung die Warze oder auch mehrere abgetragen werden. Auch an die Partnerbehandlung muss gedacht werden, da die sexuelle Übertragbarkeit nicht unterschätzt werden darf.