Proktologie Professor Dr. Prohm, FASCRS
 


Die Analvenenthrombose

Dieses Krankheitsbild kommt in der Praxis des Proktologen häufiger vor. Auffällig ist ein plötzlich eintretender Schmerz im Analbereich sowie eine wie aus dem Nichts entstehende Schwellung des Analrandes. Hier ist ein Knoten zu ertasten der, je nach Ausprägung, unterschiedliche Beschwerden hervorrufen kann. Häufig wird diese Thrombose mit äußeren Hämorrhoiden verwechselt, mit Hämorrhoiden hat dieses Krankheitsbild jedoch nichts zu tun. Die Ursache, die zum Auftreten einer Thrombose im Analbereich führen sind letztendlich noch unbekannt. Patienten klagen häufig über eine vermehrte Druckbelastung im Analkanal, sei es durch übermäßiges Pressen oder zum Beispiel beim Fahrradfahren. Durch das übermäßige Pressen kommt es zu einer Druckerhöhung im Analkanal, so dass sich das venöse Blut schlecht entleeren kann und es zu einer Verminderung der Fließgeschwindigkeit kommt. Wir kennen das von den Krampfadern an den Beinen. Auch hier ist die Fließgeschwindigkeit durch die entzündeten Venenklappen herabgesetzt, so dass Thrombosen entstehen können. Der gleiche Mechanismus liegt im Afterbereich vor, nun kann es auch hier zu einer Thrombose kommen. Auch bei hormonellen Umstellungen, wie in einer Schwangerschaft, kann es ebenfalls gehäuft zum Auftreten von perianalen Thrombosen kommen. Aber auch das Auftreten aus dem Nichts heraus, ohne äußere Einwirkung, wird von Patienten häufig beschrieben. Bei kleineren Knoten, die selten massive Beschwerden hervorrufen, wird der Arzt in der Regel nicht aufgesucht. Größere Knoten können neben den heftigen Schmerzen jedoch auch eine erhebliche störende Knotenbildung um den Analkanal herum hervorrufen. Nicht selten, wenn das Krankheitsbild schon einige Tage angedauert hat, kann es an dem Punkt der höchsten Druckbelastung zu einer Spontanperforation kommen wo sich der Thrombusknoten bereits den Weg nach draußen gebahnt hat. Sobald die Spontanperforation abgeschlossen ist und der Druck innerhalb des Knotens nachgelassen hat, sind die Patienten auch beschwerdefrei. Beunruhigend für sie ist lediglich die nachfolgende dunkelrote Blutung, ganz im Gegensatz zu der typischen hellroten Blutung von Hämorrhoiden.



Die kleineren Thrombosen werden häufig dem natürlichen Verlauf überlassen, d.h. dass das Gegenteil der Gerinnung, die Fibrinolyse, den Thrombus langsam auflöst. Auch die bereits erwähnte spontane Perforation und Druckentlastung sorgt für Beschwerdefreiheit, so dass der Arzt im weiteren Verlauf nicht mehr aufgesucht wird.

Therapeutisch ergeben sich zwei Möglichkeiten: die Eröffnung des Knotens mit dem Skalpell so dass der Thrombus unter leichtem Druck geborgen werden kann oder die chirurgische Entfernung des gesamten Knotens in Lokalanästhesie. Die Entscheidung, welche Therapie angewandt wird, liefert die individuelle Krankengeschichte des Patienten und der Lokalbefund. Denn wenn der Thrombus nämlich schon älter ist, kommt es zu einem Verwachsen mit der Innenseite des Haut des Knotensackes, so dass dieser nicht mehr so einfach hervor zu drücken ist. Dann muss der gesamte Knoten entfernt werden. Gleichzeitig wird durch die nachfolgende Naht die Vene sicher verschlossen, so dass es nicht mehr zu einem Wiederauftreten kommen kann. Bei der reinen Inzision und  Hervordrücken des Thrombus kann es durchaus vorkommen, dass der gleiche Knoten durch eine erneute Thrombosierung am nächsten Tag wieder vorhanden ist. Dann ist allerdings die en-bloc Entfernung des Knotens angezeigt.