Proktologie Professor Dr. Prohm, FASCRS
 

Die Analfistel und der Abszess

Eine Analfistel (lateinisch: fistula=Röhre)ist ein nicht natürlicher Gang zwischen dem Analkanal und der äußeren Haut. Man unterscheidet hier komplette und inkomplette Fisteln, je nachdem ob der Gang eine vollständige Verbindung zwischen dem Analkanal und der äußeren Haut darstellt oder nicht. Inkomplette Fisteln können sowohl innerhalb des Analkanals sein als auch außerhalb vorkommen, sie enden blind. Sie sind dann eigentlich keine Fistel, sondern ein Sinus (Sinus lat.=Bucht) Selbstverständlich können auch Zwischenformen vorhanden sein, bei langjährigen Verläufen können richtige Fistelsysteme entstehen, so dass sich sämtliche Formen nebeneinander ergeben. Die Analfistel stellt ein chronisches Leiden dar, die Patienten klagen über Eiter-Absonderungen, Sekretabsonderungen, Blutungen und nicht selten einen über einen sehr hartnäckigen Juckreiz. Bedingt durch die chronischen Entzündungen können sekundäre Entzündungen der Haut vorkommen mit sehr ausgedehnten Hautveränderungen. An der Grenzschicht zwischen Haut und Darmschleimhaut entwickeln sich Drüsen (Proktodäaldrüsen) mit unterschiedlich ausgeprägten, in die Tiefe reichenden Gängen, dies sind die Krypten. Beim Menschen finden wir sie in etwa bei 75 %, bei Männern häufiger als bei Frauen. Liegt flüssiger Stuhlgang vor, etwa bei Durchfall, können Stuhlpartikel in die Krypten hinein gelangen und dort eine Entzündung hervorrufen.


Bedingt durch die Entzündung, schwillt der Eingang zu, so dass die Entzündung sich nicht über den Analkanal entleeren kann und sie sich einen Weg durch den Muskel hindurch in den Raum zwischen innerem und äußeren Schließmuskel suchen muss. Von hier aus sind die Ausbreitungsmöglichkeiten sowohl noch oben und nach unten und nach allen Seiten gegeben, so dass sich hieraus die verschiedenen Abszess - Formationen und Lokalisationen erklären lassen. Bei immer wieder auftretenden Fisteln kann, da der Schließmuskel bereits durch die Voroperationen geschädigt ist, eine so genannte Fadendrainage nach Hippokrates durchgeführt werden. Dadurch reinigt sich die Fistel so dass sie leichter operiert werden kann. Bei oberflächlichen Gängen, die durch den Schließmuskel gehen, ist die Therapie einfach: Hier reicht in der Regel eine einfache Spaltung des Fistelganges aus, so dass vom ehemaligen Fistelgrund ausgehend die Wunde zuwachsen kann. Bei quer durch den Schließmuskel verlaufenden höheren Fisteln ist die Therapie erheblich schwieriger. Hier kommt es darauf an den Schließmuskel soweit wie möglich zu schonen, da eine Teildurchtrennung oder gar vollständige Durchtrennung des Schließschließmuskels eine nicht unerhebliche Inkontinenzproblematik nach sich ziehen kann. Hier sind mittlerweile moderne, muskelschonende Verfahren entwickelt worden, die allerdings in die Hand des erfahrenen Spezialisten gehören.