Proktologie Professor Dr. Prohm, FASCRS
 


Die Analfissur stellt ein äußerst schmerzhaftes Ulkus im Bereich des Analkanals dar. Man unterscheidet hier die akute von der chronischen Analfissur. Die Unterscheidung ist wichtig da die Therapie bei beiden Fissurarten völlig verschieden ist. Während die akute Analfissur meist ein vorübergehendes Ereignis ist und mit konservativen Maßnahmen zu beherrschen ist, stellt die chronische Analfissur ein etwas ernsteres Leiden dar.

Wie entsteht nun eine Analfissur? Hierüber gibt es die verschiedensten Theorien. Am wahrscheinlichsten ist eine oberflächliche Verletzung der sensiblen Analhaut durch harten Stuhlgang (auch an Analverkehr muss hierbei gedacht werden, wir sind ja aufgeklärt). Denkbar ist auch eine Entzündung der Analkrypte, so dass sich von hier aus auch eine Fissur entwickeln kann. Doch nun zur Behandlung: bei der akuten Analfissur reichen im Prinzip stuhlregulierende Maßnahmen und eine lokale Behandlung mit schmerzstillenden Salben aus. Der Stuhlgang sollte auf keinen Fall zu hart sein, da das erneute Aufreissen einer vielleicht gerade zuwachsenden Wunde schmerzhaft sein kann. Eine lokale Pflege mit Wasser und Trockentupfen mit weichen Tüchern oder Mull sollte ausreichend sein, zusätzlich, wie bereits erwähnt, lokal schmerzlindernde Salben.



Bei der chronischen Analfissur ist der Fall völlig anders: hier kommt es durch die lang anhaltende chronische Entzündung zur Ausbildung einer Fistel, die in einer so genannten Vorpostenfalte mündet. Dies ist ein Hautläppchen welches auf den Eingang zur chronischen Analfissur hinweist. Oft wird diese Vorpostenfalte mit äußeren Hämorrhoiden verwechselt, auch Polypen werden beschrieben obwohl eine chronische Analfissur dahinter steckt. Der Spezialist (Proktologe) erkennt natürlich sofort, was dahinter steckt, andere Ärzte oder selbsternannte Spezialisten in den seltensten Fällen und behandeln mit unwirksamen Maßnahmen. Da diese nicht wirken können, landen die Patienten, bedingt durch die andauernden Schmerzen und frustranen Behandlungsversuchen, letztendlich doch beim richtigen Arzt. Oftmals befindet sich am Ende der Analfissur, hoch innerhalb des Analkanals, eine so genannte Analpapille die sehr schmerzhaft sein kann. Das Therapieziel muss sein das Ulkus, nichts anderes stellt die chronische Analfissur dar, vollständig herauszuschneiden, einschließlich der dazugehörigen Vorpostenfalte und der Analpapille. Hierbei muss die oftmals gleichzeitig vorhandene Fistel, die in die Vorpostenfalte hinein führt, beseitigt werden. Gelingt dies nicht, ist das Wiederauftreten der Analfissur bereits zum Zeitpunkt der Operation vorprogrammiert. Die weitere Behandlung nach der Operation besteht in Stuhl regulierenden Maßnahmen und Wundverbänden, hierunter sollte die Operationswunde relativ rasch abheilen. Auch Sitzbäder mit Kamillezusätzen können hilfreich sein.

 Eine weitere Möglichkeit, den Druck innerhalb des Analkanals zu senken, besteht in der so genannten chemischen Sphincterotomie. Hierbei wird die Tatsache angewandt, dass beim Entstehen einer chronischen Analfissur ein erhöhter Druck innerhalb des Analkanals vorhanden ist. Am häufigsten kommen hier Diltiazem und Nitroglycerin zum Einsatz. Die arterielle Versorgung der Haut im sensiblen Analbereich erfolgt durch Gefäße die durch den Schließmuskel hindurch gehen. Es ist natürlich klar, dass bei einem erhöhten Druck innerhalb des Analkanals, hervorgerufen durch die Schließmuskulatur, auch die Gefäße, die durch den inneren Schließmuskel hindurch gehen, komprimiert werden und der Blutfluss gedrosselt wird. Dadurch kommt es im Bereich der Endstrombahn und bei einem erhöhten Druck zu einer Minderversorgung der Haut, so dass sehr leicht Verletzungen entstehen können. Hinzu kommt, dass bei der Minderversorgung mit Blut die Heilungstendenz extrem schlecht ist. Bei 6 Uhr, wo sich die beiden Gefässäste der beiden seitlichen Arterien treffen und zwar die letzten kleinen Verzweigungen, ist sowieso schon ein Ort der äußerst knappen Blutversorgung. Wenn nun noch die erhöhte Muskelspannung hinzukommt, welche die Blutversorgung abdrosselt, kann eine Heilung der oberflächlichen Verletzung nicht stattfinden und aus der akuten Fissur entwickelt sich eine chronische Analfissur. Das Ulkus wird immer tiefer, da winzige Stuhlpartikel lokal immer wieder Entzündungen hervorrufen. Es entsteht eine kleine Fistel, die sich in die Haut bohrt und so die Vorpostenfalte entstehen lässt. Ist das erst einmal geschehen, sind konservative Maßnahmen fast immer vergebens. Doch wir wollten über die chemische Sphincterotomie sprechen: man stellte fest, dass zwei Substanzen, nämlich Diltiazem und gewisse Nitrokörper, in der Lage waren den Druck innerhalb des Analkanals zu senken. Hierurch kommt es zu einer Verbesserung der Durchblutung und die Fissur kann abheilen.